Krisen und Rückfallmanagement

Ein Bild zum Rückfall

Bereits von Beginn der Behandlung an werden die Patienten mit einem verbindlichen Krisenmanagement vertraut gemacht, welches bei Abbruchtendenzen, Motivationseinbrüchen, inneren Krisensituationen (Impulsdurchbrüche, "Suchtdruck"), Verlust des Lebenswillens oder der Veränderungshoffnungen einsetzt. Eine gemeinsam vereinbarte "Rückzugsmöglichkeit" in Form von Klausur (s.u.) beinhaltet in der Regel die Möglichkeit eines 24-stündigen Rückzuges mit Krisengesprächen mit dem Bezugstherapeuten und/oder zusätzlich mit einem selbstgewählten Mitpatienten. Im weiteren Verlauf und bei Bedarf wird noch ein weiteres Krisengespräch zur Klärungen der Krisenursachen angeboten.

Zur Regelung des Gemeinschaftslebens bestehen Kardinalregeln und Allgemeinregeln. Diese Regeln sind notwenig, um im Zusammenleben in der Gemeinschaft und mit den Therapeuten die Wahrnehmung von Grenzen und deren Einhaltung erlernen zu können. Insofern haben die Regeln strukturgebenden Charakter. Bei Nichteinhalten von Regeln wird das übertreten in der Hausgemeinschaft bekannt gegeben und der Patient muss sich der öffentlichen Diskussion stellen. Neben der Therapeutischen Bearbeitung in der Klein- und/oder Großgruppe können je nach Art des Regelverstoßes weiter Maßnahmen folgen, wie z.B. Ermahnung, Abmahnung, Klausur, Isolation, Probezeit, Ultimatum, Übernahme von Aufgaben für die therapeutische Gemeinschaft oder Rückstufung im Status (z.B. Ausgangsstatus).

Ermahnung ist eine gegenüber einem Patienten von und im Team ausgesprochene und stattfindende mündliche Verwarnung wegen eines regelwidrigen Verhaltens (z.B. Aufbewahren der Rauchuntensilien auf dem Patientenzimmer).

Abmahnung ist eine schriftliche Aufforderung zum regelkonformen Verhalten mir der Androhung der disziplinarischen Entlassung für den Fall der weiterer Regelverletzungen (z.B. Rauchen auf dem Patientenzimmer).

Klausur ist für den Patienten gedacht, der gegen die Regeln des Hauses (z.B. verbale Entgleisungen, destruktives Konfliktverhalten, Pflicht- und Veranwortungsvernachlässigung) verstoßen hat und deshalb dazu aufgefordert wurde, sich auf sein Zimmer zurückzuziehen, um allein und in Ruhe über sein Verhalten nachdenken zu können. Genauso wie in der Gesellschaft führen auch in unserer Einrichtung manche Regelverstöße zur disziplinarischen Konzequenzen. Unter Berücksichtigung der individuellen Lage des Patienten, seines Umgangs mit der Situation und unter Einbeziehung der Haltung der therapeutischen Gemeinschaft kann dem Patienten eine Möglichkeit gegeben werden, sein Verhalten zu korrigieren. Dafür benötigt er diese Rückzugsmöglichkeit sowie Zeit zur Reflexion. In der Regel schreibt der Patient während der Klausur eine schriftliche Reflexion, die im Plenum oder in der Großgruppe vorgetragen wird. Die Klausur wird aufgehoben, nachdem der betroffene Patient sich mit seinem Fehlverhalten auseinander gesetzt hat. Es kann nach der Klausur eine Probezeit oder ein Ultimatum erfolgen.

In der Probezeit, die gewöhnlich zwei Wochen dauert, wird ein Patient einer besonderen Beobachtung der therapeutischen Gemeinschaft und des therapeutischen Teams unterzogen. Nach dem Ablauf der Probezeit werden dem Patienten die Beobachtungen in Form von Rückmeldungen mitgeteilt.

Ultimatum ist die letzte Chance, die einem Patienten gegeben wird, welche eine Forderung an ihn beinhaltet, sich an die Regeln des Hauses zu halten, mit der Ankündigung nachteiliger Maßnahmen (disziplinarische Entlassung), falls dieser Forderung innerhalb einer gesetzten Frist nicht entsprochen wird.

Um die Einrichtung als einen suchtmittelfreien Therapie- und Lebensraum aufrechtzuerhalten, muss die Einhaltung der Suchtmittelfreiheit von allen Patienten gewährleistet werden. Dies stellt eine wesentliche Grundlage des Behandlungsvertrages mit allen Patienten dar.

Das Hilfsangebot besteht in der frühzeitigen Besprechung möglicher Rückfalltendenzen.

Wir arbeiten mit Rückfällen. Eine Therapiefortsetzung bei einem Suchtmittelrückfall ist aber nur möglich, wenn der Patient

  • den Rückfall selbst bekannt gibt und die Verwantwortung dafür übernimmt und
  • wenn bei ihm Ressourcen für die Fortsetzung der Therapie vorhanden sind.

In der Bearbeitung eines Rückfalles erfolgt die Anhörung des Patienten durch den Bezugstherapeuten und durch das Therapeutische Team.

Danach wird Entschieden, ob die Therapie unter an bestimmte Auflagen geknüpfte Bedingungen weiter erfolgen kann, eine Verlegung in eine andere Einrichtung sinnvoll oder eine disziplinarische Entlassung erforderlich ist.

Bei einer disziplinarischen Entlassung wird darauf geachtet, dass der Patient möglichst sofortigen Kontakt zur Suchberatung aufnimmt, welche von uns auch informiert wird oder das er sich in eine qualifizierte Entgiftungseinrichtung begibt.